seine Meinung...

Als ich auf einmal Kaffee schmeckte…

Jaja.. mein letzter Blogeintrag ist schon eine Weile her. Aber hey: Ich schreibe halt nur wann ich will und wenn ich den Drang dazu habe, etwas aufzuschreiben, was mir unter den Nägeln brennt. Heute: Kaffee. Falsch dosiert brennt der übrigens. Zwar nicht unter den Nägeln, aber im Hals oder gar im Magen. Aber: ich schweife ab.

Ich bin der klassische Vieltrinker in Sachen Kaffee. Ich „brauche“ (wie bei Zigaretten rein psychisch) ihn morgens zum wach werden und da reicht eine Tasse schon mal gar nicht. In meiner Kaffee-Historie kann ich mich noch so ziemlich an alle Maschinen erinnern, welche es entweder zu hause, oder, seit ich aus- bzw. mit meiner Freundin zusammengezogen bin, gab. Als ich mit Kaffeetrinken anfing, da war ich noch in der Hauptschule – dritte oder vierte Klasse muss das gewesen sein. Ich und meine SchulfreundInnen hatten da so ein Ritual uns ein- bis zweimal pro Woche im Einkaufszentrum zu treffen. Auf einen Karamell-Latte. Ja und so fängt es schon mal an. Trendy waren wir halt unterwegs. Und deshalb sollte sich bald herausstellen, dass der Filterkaffe, den es bei meinem Großvater stets gab, gaaaaaanz anders schmeckte. Und so brauchte ich auch immer viel Milch. Daran hat sich meist bis heute nichts geändert. Als das „Kaffeeschleddern“ bei mir so richtig anfing, gab es zu Hause eine Senseo Pad-Maschine von Philips. Ich tat es meiner Mama gleich und trank morgens schon brav meinen Kaffee. Diese Senseo hatten wir lange und an den Geschmack hab ich mich damals längst gewöhnt. Später dann bekamen wir einen Vollautomaten. Frisch gemahlene Bohnen. So soll ja Kaffee am leckersten zu Hause sein. Auch in meiner Lehrzeit kam ich in den Genuss des betriebseigenen Vollautomaten. Unterwegs in Kaffeehäusern oder beim Konditor ist’s aber meistens – bis heute – der Café Latte geblieben, den ich mir bestelle (mit einem Cola… meine Mama und ich nehmen immer das „Einsermenü“).

Als ich zu Hause auszog, in meine kleine schicke 36m2 Wohnung, legte ich mir die Maschine zu, die bis heute ungebrochen beliebt ist. Ein Musthave für alle trendigen Kaffeetrinker. What else…?! Und die Nespressokapseln ließen mich auch erstmals einen wirklichen Unterschied in der Stärke, der Vielfalt und des Geschmacks erleben. Ein Ristretto ist halt doch was ganz anderes, als ein… naja diese goldgelbe Kapsel – ich weiß die Namen nicht mehr. Jedenfalls begleitete mich der Nespresso ein Jahr lang morgens und ich schätzte meine Maschine. Dann zog meine Freundin zu mir in die kleine Wohnung und auch bei ihr daheim gab es eine Nespresso. Leider wurde die Maschine irgendwann kaputt. Der Kaffee schmeckte eklig und die Maschine machte Geräusche, die mich stets in Deckung gehen ließ, wenn ich aufs Knopferl drückte. Sie musste weichen. Ich kam zufällig durch ein Flugblatt auf Tassimo. Ein super Angebot: Die Maschine und ein Vorrat an allen erhältlichen Sorten um 70 Euro. Ich schlug zu und war hellauf begeistert vom vielfältigen Sortiment. Es reicht ja von klassischem Café Crema bis zu Milka-Kakao. Es kreiert einen Cappuccino mit schönem Hauberl und einen Latté mit leckerem Schaum – durch konzentrierte Milch in Kapselform schießt der Milchschaum in den Espresso… auch schön anzuschauen. Bis heute haben wir die mittlerweile zweite Tassimo-Maschine. Dazwischen bildete ich mir mal ein unbedingt eine Filtermaschine haben zu wollen. Ja, der schmeckt auch anders. Aber ich machte immer zu viel und ließ ihn auf der Warmhalteplatte regelrecht verbrennen, was weder mir noch meinen Gästen schmeckte. Auch befasste ich mich nie so genau mit Mengen, etc. Ein paar Löffel Pulver rein, Wasser hinten rein, einschalten und warten. Sie verschwand genau so schnell wie sie gekommen war wieder – auch wenn Filterkaffee bis heute für viele DER einzig wahre Kaffeegenuss zu Hause ist. Ich blieb bei meiner Tassimo.

Vor ca. zwei Jahren erlebte ich mal ein Kaffetscherl, dass mich bis heute nicht loslässt. Ich war bei einem Freund zu Hause – wir hatten etwas zu besprechen wegen eines Videoprojekts, dass ich machen durfte. „Kaffee?“ „Klar, gerne!“ „Aber ich habe keine Maschine – sondern eine…“ Moment: Ich muss meine Tasse schnell nachfüllen, mir läuft das Wasser im Munde zusammen… Bin wieder da… Verzeihung. Also er sagte, er habe nur eine French Press. Aha… hab ich glaub ich mal irgendwo gehört, aber was das denn genau war – keinen Dunst. Also verschwand er in der Küche und kam ca. 5 Minuten später mit einer Tasse Kaffee. „Mit viel Milch, bitte“, rief ich ihm noch nach. Dann nahm ich einen Schluck und er schmeckte… interessant. Sehr interessant. Er schmeckte irgendwie so gar nicht nach meiner Tassimo, oder dem Nespresso, oder dem Vollautomaten, oder dem Kaffehausverlängerten. Er schmeckte höchst interessant.

Doch ich vergaß, das Wort French Press wieder – den Geschmack jedoch nicht. Kürzlich bin ich dann in einem Geschäft auf eine French Press gestoßen. Es war wie ein Feuerwerk in meinem Kopf. Meine Neuronen spielten verrückt und ließen mich sofort wieder an das interessante Erlebnis denken, welches schon Jahre her ist. Ich kaufte sie nicht gleich. Zuerst setzte ich mich ein paar Tage mit der Zubereitung eines French Press Kaffees auseinander. Ich guckte zig YouTube Videos, las Blogberichte, Rezensionen, etc. Das volle Programm. Dann entschied ich mich es zu tun und wie ich hier sitze und schreibe ist es genau zwei Stunden her, dass ich das erste Mal einen Kaffee in der French Press zubereitet habe. Und ich fühle mich wie ein Barista, oder gar ein großer Weingourmet. UND: Ich trinke ihn schwarz – sehr selten bei mir. Was in diesem Kaffee steckt ist eine unglaubliche Vielfalt an Geschmack. Und auch wenn die Zubereitung schwierig oder aufwendig scheint, ist sie doch extrem simpel. Und diese 5-10 Minuten zu investieren für einen Liter „anderen“ Kaffee zahlt sich auf jeden Fall aus. Für all jene, die nicht wissen, wie man Kaffee in einer French Press zubereitet – hier meine Vorgehensweise:

  1. 60 g Kaffeebohnen abwiegen und in eine Mühle (ich habe eine manuelle) füllen.
  2. Den Kaffee mahlen und zwar mittelgrob. Die Textur sollte etwas größer sein als Meersalz.
  3. 1 ½ Liter Wasser im Wasserkocher zum Kochen bringen und den Timer auf fünf Minuten stellen.
  4. Wenn das Wasser kocht einen halben Liter in die French Press füllen und den Timer starten. Den Wasserkocher offen einfach stehen lassen. Warum: Die optimale Temperatur für das Wasser, welches wir in Kaffee verwandeln möchten, sollte 94° Celsius betragen. Wenn kochendes Wasser ca. eine Minute steht erreicht man ungefähr die Temperatur, die man braucht. Der Grund für den halben Liter in der Press ist, dass wir diese auf Temperatur bringen wollen. Erwiesenermaßen bleibt Wasser in einer vorgewärmten Umgebung leichter auf Temperatur – genau das was wir wollen.
  5. Wenn die Uhr auf vier Minuten steht, das „Vorwärmwasser“ ausschütten, den gemahlenen Kaffee reinschütten und mit Wasser BEDECKEN. Nicht ganz auffüllen. Es beginnt das sogenannte Blooming. In der Fachwelt bezeichnet dieser Vorgang das „Aufquellen“ des Kaffees. Er entfaltet seine Aromen und setzt seine Öle frei. Jetzt zärtlich mit einer Gabel oder einem langen Löffel ein wenig umrühren, dass auch der kleinste Krümel im Wasser quillt.
  6. Ist die Uhr bei drei oder dreieinhalb Minuten kann man mit dem Aufgießen beginnen. Langsam und gleichmäßig das restliche Wasser in kreisenden Bewegungen hinzugeben.
  7. Deckel drauf – Stempel noch nicht runterdrücken und warten, bis die Zeit abgelaufen ist.
  8. Langsam und gleichmäßig drückt man nun den Stempel runter und zieht so das Gemahlene hinunter zum Boden. Am Ende angekommen nicht auspressen – auch wenn einem der Name des Kaffeebereiters das glauben lässt.
  9. Es ist vollbracht. Der Kaffee ist fertig… klingt das ned unheimlich zärtlich… 😉
  10. Falls Kaffee übrig bleibt unbedingt dekantieren – sprich: Nicht in der Presse zurück lassen, sonst brüht der Kaffee weiter und wird bitter oder gar sauer. Man kann das Genussmittel auch in eine Thermosflasche füllen und so zur Arbeit mitnehmen, oder in einer Thermoskanne am Tisch zum Kuchen stellen – aber nicht auf eine Warmhalteplatte… Er verbrennt sonst.

Naja und in diesen 10 Schritten bereitet man French Press Kaffee zu. Doch es gibt natürlich noch weitere Vorteile gegenüber anderen Zubereitungsarten. Da wäre zum ersten natürlich, dass ich die Stärke meines Kaffees ganz leicht selbst bestimmen kann. Mag ich’s etwas milder lass ich ihn nur drei Minuten ziehen – mag ich’s stärker oder gar etwas bitter bis zu sechs Minuten. Aber keinesfalls länger – sonst wird er echt ungenießbar. Mit einer French Press kann ich auch Tee zubereiten oder sogar warme Milch so aufschäumen, dass ich einen Latté hinbekomme.

Doch wie immer beim Kaffee entscheidet nicht ausschließlich die Zubereitungsart über die Qualität und den Geschmack des Muntermachers. Die Qualität des Kaffees, bzw. der Bohnen ist entscheidend ob ich den Kaffee mag oder nicht. Hier heißt es durchprobieren, wobei ich – ohne es ausprobiert zu haben – von dem billigsten Produkt im Lebensmitteleinzelhandel abrate. Doch womit habe ich meinen ersten zubereitet? „Happy Coffee“ nennt sich das Unternehmen, von welchem ich mein 250g Packerl erwarb. Hochpreisiger als ein Standard Jacobs ist der natürlich. Aber mir war wichtig, dass ich nicht nur zu einem Qualitätsprodukt in Sachen Röstung und Geschmack greife. Mir war vor allem der faire Handel wichtig. Wir wissen, dass sich große Hersteller oft mit irgendwelchen Zeichen und Logos damit rühmen eh aus kontrolliertem Anbau anzukaufen, schonend zu rösten und fair zu bezahlen. Doch die Fairness liegt im Auge des Betrachters, bzw. meistens im Sinne des Konzerns. „Geh scheißen, Nestlé!“ Die Firma Happy Coffee bezieht ihre Bohnen in kleinen Mengen aus einem Kaffeebauernverbund in Mexico, der hoch oben in den mexikanisch-peruanischen Gebirgen schonend angebaut wird. Der faire Handel wird Happy Coffee auf jeden Fall eher abgekauft, als Nestlé. Ein Besuch auf der Website lohnt sich jedenfalls 😉 www.happycoffee.org

Ein Weg noch weiter zu gehen in der Zubereitung des guten Kaffees liegt im verwendeten Wasser. Denn Kaffee besteht nun mal fast gänzlich aus Wasser. Hier könnte man sich endlos spielen mit gefiltertem Wasser oder stillem Mineralwasser und das sollte man vielleicht auch. Jedoch bitte niemals destilliertes Wasser benutzen. Die Mineralien und Elemente, welche in Leitungs- oder Mineralwasser stecken, sind essentiell für den Brühvorgang. Erst die Reaktion verschiedener Bestandteile von H2O und Kaffee machen das Getränk zu dem was es ist.

Ich werde die French Press weiterhin benutzen. Ob ich sie jeden Tag in der Früh auspacke weiß ich noch nicht – wenns schnell gehen muss? Hm… aber ich möchte sie keinesfalls hergeben. Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Zubereitungsart – bzw. die Rohstoffe dafür – besser und gesünder ist als der Kapselkaffee. Für mich und meine Umwelt. Probiert es am besten aus. Erstausstattungen gibt es bereits für günstiges Geld. Die French Press um EUR 13,00 – eine kleine feine Handmühle wie ich sie habe gibt’s schon um EUR 10,00. Guter Kaffee ist wichtig: Mit kleinen Mengen anfangen, verschieden Röstereien und Sorten ausprobieren – dann steht einem interessanten Kaffeegenuss nichts mehr im Wege.

v.l.: Die Mühle, die French Press, der himmlische Kaffeegenuss.
Etwas gröber als Meersalz, etwa so groß wie Brotkrümel – dann sollte es passen. Doch nur keinen Filterkaffee nehmen – der schlüpft durch das Sieb und vermiest euch den Kaffee.
Der Happy Coffee Kaffee wird von Kleinbauern in kleinen Mengen importiert und in einer kleinen Rösterei in Hamburg schonend geröstet. Von der Röstung bis zu mir nach Hause vergingen keine zwei Monate. Das weiß ich, weil das Röstdatum auf der Packung steht. Die 250g Tüte gibt’s für 9,99 Euro.
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