seine Meinung...Sing Sang

Eierlegendewollmichsauen im Musikgeschäft

„Gute Musiker gibt es nicht wie Sand am Meer. Gute Musiker brauchen Zeit zum Reifen!“

Dieses Zitat stammt von – Achtung jetzt – Andy Borg! Ja, dem Schlager-Andy-Borg. Und so wenig ich mich für seine Art von Musik unter 2 Promille begeistern kann (jedem sein Musikgeschmack), teile ich diese Meinung zu 100 Prozent. Ich bin selbst Musiker – kein besonders Erfolgreicher, kein überragend Guter – aber ich unterhalte Menschen gerne mit dem, was aus meiner Gitarre und meinem Mund herauskommt. Und ich reife. Das merke ich an mir selbst wenn ich Aufnahmen von vor fünf oder sechs Jahren anhöre und sie mit aktuellen vergleiche. Aber es gibt auch einen Grund warum es talentierte Musikerinnen und Musiker schwer haben im Radio gespielt, auf Plakaten abgebildet, in Saturns, Media Markts, Libros oder iTunes-Stores verkauft zu werden. Wenn sie nämlich nur gut sind, haben sie keine Chance im Musikbusiness. Es reicht nicht einfach nur gut zu singen. Man muss einem Gesamtpaket entsprechen, welches dann in ein Gesamtkonzept passt. Zu Michael Jackson’s Off The Wall Zeiten (1979) hatte man noch die Möglichkeit sein Gesamtpaket selbst in ein Konzept zu stecken. Exkurs: Michael Jackson hatte auf eine Serviette Zeilen geschrieben in denen er davon spricht, dass sein Name M.J. sein wird und er wird etwas komplett Neues werden. Er nimmt das Größte und Beste, das es bisher in der Unterhaltungsbranche gab und hebt all das auf ein neues Level. Er wird keine Interviews geben und es wird magisch. Und er behielt recht. Zu dieser Zeit hatte Michael Jackson dafür gesorgt seiner Plattenfirma, CBS/Epic – heute bekannt als Sony – ein Maß vorzugeben. Und seit solchen Stars wie Jackson, die Kunstfiguren kreirten, welche für immer in den Köpfen der Menschen und in den Geschichtsbüchern bleiben werden, versucht man aus jedem neu entdeckten Sternchen den hellsten Stern zu machen: die Eierlegendewollmilchsau. Die, die Menschen durch Gesang, Musik, Tanz, Show, Performance, Kleidungsstil, Auftreten, Bücher, CDs, DVDs, Konzerte, am Cover des Rolling Stone, und und und, von sich begeistern und fesseln. Dadurch – und anscheinend nur dadurch – kann man profitieren und Kohle schaufeln.

Dabei sind wir doch meist von denen fasziniert, die uns ohne BlingBlingKnallBumm-Bühnenshow unterhalten. Der blinde Straßenmusiker, der Imagine von John Lennon am Samstagnachmittag in einer Einkaufsstraße trällert, während wir unseren Kaffee im Gastgarten schlürfen, zum Beispiel. Den gibt es auf der Landstraße Linz tatsächlich und er begeistert mich jedesmal. Und immer wenn ich ihm zuhöre frage ich mich: Warum zur Hölle gibt es den nicht im Radio zu hören? Weil er nur gut ist. Wobei: Man kann auch – und Folgendes ja nicht falsch verstehen – aus Menschen mit Beeinträchtigung eine Wollmilchsau machen – halt keine Eierlegende, aber immerhin. Mit Handicaps oder schwierigen Lebensumständen auf die Mitleidstour, lässt sich auch Kohle machen: Paul Potts, oder Michael Hirte. Nur zwei von vielen Beispielen. Stevie Wonder hatte es überhaupt einfach: Er war schwarz, blind und als er entdeckt wurde noch ein Kind. Welch ein Paket. Aber die Geschichte zeigt, dass es nur wenige dieser Menschen schaffen ein Leben lang immer wieder die Top 10 zu erreichen, wie es diese Swifts oder Bibers tun.

Wenn ihr also das nächste Mal einem Straßenmusiker eine Weile zuhört, dann schmeißt ihm auch ein paar Euro in die Mütze. Immerhin sind uns ja auch CDs von großen KünstlerInnen etwas wert. Und wenn es nur die Rundfunkgebühren sind, mit denen uns erlaubt wird öffentlich-rechtliche Rundfunksender wie Ö3 zu hören um im morgendlichen Stau von der anscheinend immer selben Leier schon so früh am Tag penetriert zu werden, dass einem schlecht wird. Anm: Ich erkläre dieses Gefühl von Übelkeit immer damit, dass ja auch der Gleichgewichtssinn im Ohr sitzt – und wenn der ganze Schmarrn da vorbei muss, wird uns halt schlecht.

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